Ein Kreisel mit Gesicht

Artikel aus der Beilage "Blickpunkt Castrop-Rauxel" der Ruhr Nachrichten (März 2019)

Text zum Titelbild:  Den Kreisverkehr an der Dortmunder Straße auf Schwerin ziert seit über zehn Jahren die Skulptur „„Auf dem Weg zu neuen Zielen“ von Paul Reding.

Von Jens Lukas

Nagelneu und doch schon rostig. So präsentierte sich bei ihrer Einweihung im Oktober 2007 die Skulptur „Auf dem Weg zu neuen Zielen“ mitten im Kreisverkehr auf Schwerin.

Der „Vater“ des Kunstwerks, Paul Reding, hatte sich vor der öffentlichen Übergabe schon einmal unerkannt an die nahe gelegene Bushaltestelle gesetzt und die Reaktionen der Schweriner belauscht. Und die waren allesamt positiv.

Stadtteil im Wandel

Begeistert von der schlichten Skulptur aus Baustahl und ihren zahlreichen Interpretationsmöglichkeiten zeigte sich auch die Stadtspitze. Die reduzierte Formensprache – drei Gesichtshälften mit jeweils einem Auge – zeigen je nach Blickwinkel ein anderes Gesicht. Das ist ein Zeichen dafür, dass auch der Stadtteil sein Antlitz gewandelt hat und weiter wandeln wird.

Der Schweriner Marktplatz und das Ärztehaus zeigten das damals auf eindrucksvolle Weise. Nach Blüte und Niedergang der Kohleindustrie war der Stadtteil auf dem Weg zu neuen Zielen.

„Auf dem Weg zu neuen Zielen“ von Paul Reding zeigt, je nach Standpunkt des Betrachters, ein anderes Gesicht. Foto J Lukas

Dass die Skulptur so schnell an ihrem Ziel, dem Kreisverkehr, ankam, war der Sparkassenstiftung zu verdanken. Im Frühjahr 2007 hatte der damalige SPD-Ortsvereinsvorsitzender Charly Plücker mit dem Künstler Reding Kontakt aufgenommen. Und der hatte spontan zugestimmt. Das Motiv stand schnell fest, die Umsetzung von der Zeichnung in die rund 2,50 Meter hohe Stahlskulptur in der Firma Langendorf in Waltrop folgte bald.

Rund 10.000 Euro hat die Stiftung investiert. Das Material – unbehandelter Baustahl – war von Paul Reding ganz bewusst gewählt worden.

Auf den Kopf gestellt

So zeigt sich das Gesicht ständig in einem anderen Licht, je nachdem, wie die Laune der Natur ihm zusetzt. Ob Regen den Stahl dunkel färbt, Sonne die Rostspuren in Goldtöne taucht oder Schneeflocken dem Kopf ein Käppchen aufsetzen.

Paul Reding, der die Montage seines Werks höchstpersönlich betreute, machte damals schmunzelnd noch auf eine weitere Deutungsmöglichkeit aufmerksam. „Denken Sie sich das Werk doch einmal umgedreht. Dann wirken die drei Gesichtshälften fast wie die Schaufeln eines Baggers. Wie die Maschinen, die einst in der Kohlenära die Erde aufgewühlt haben.“