Der Taubenvatta von Castrop-Rauxel

Artikel zum Titelbild zur Sonderbeilage "Blickpunkt Castrop-Rauxel" der Ruhr Nachrichten (23.11.2018)

Dem einstmals sehr beliebten „Rennpferd des Bergmannes“ – der Taube – ist in Castrop-Rauxel auf einem neugeschaffenen Platz an der Oberen Münsterstraße 1986 ein Denkmal gesetzt worden. Das Bronzedenkmal zeigt den „Taubenvatta“ bei seiner Passion. Es besteht aus zwei Teilen und stellt eine Verbindung mit dem angrenzenden Eckhaus her: Im Giebel befindet sich ein Taubenschlag mit einer Taube.

Freier Wasserlauf

Bei Ausschachtungsarbeit für die Neugestaltung der Oberen Münsterstraße ist in der Nähe des „Taubenvatta-Denkmals“ damals ein historischer Brunnen wiederentdeckt worden. An dieser Stelle ist dann symbolisch sozusagen ein Springbrunnen im gleichen Durchmesser geschaffen worden, der mit einem kaskadenähnlichen freien Wasserlauf verbunden ist.

Die markante Kerbe auf der Stirn ist der Beweis. Günter Lasar hatte vor 32 Jahren Modell gestanden für das Denkmal des Taubenvatters. Hat seinen Kopf hingehalten für einen Gipsabdruck, dem der Künstler Kampmann aus Velbert danach noch einen entsprechenden Körper verliehen hat.

Günter Lasar stand Modell

Der Habinghorster Günter Lasar war damals 42 Jahre alt – und Taubenzüchter. Er hatte nicht nur als Modell fungiert, sondern die Idee zum Denkmal selbst angestoßen. „Machen Sie doch mal was mit Tauben“, hat er dem damaligen Technischen Beigeordneten Hauke Martens vorgeschlagen, als der Kuopio-Platz am Ende der Oberen Münsterstraße gebaut war und verschönert werden sollte. Lasar, einst Leiter einer Maurerkolonne am städtischen Bauhof, wurde von seinem Chef Martens um Vorschläge gebeten. Das Foto von ihm, vom Schwiegersohn geschossen, konnte den Künstler zwar nicht überzeugen, sein markantes Gesicht aber wohl.

So ließen sich einige Wochen darauf der Technische Beigeordnete Martens, der spätere Bürgermeister Hans Ettrich und Günter Lasar per Chauffeur nach Velbert kutschieren. Während sich die Beamten die Stadt ansahen, ließ sich Günter Lasar eine ordentliche Portion Gips ins Gesicht schmieren. Heraus kam eine Maske, die sein Aussehen für die Ewigkeit konservierte. Inklusive Stirnfalte.

Sechs Zentner schwer

Später, als das gewichtige Denkmal auf dem Kuopio-Platz installiert wurde, war der Taubenzüchter Lasar natürlich dabei. Legte mit Hand an, das gewichtige Double, das immerhin sechs Zentner auf die Waage bringt, in die richtige Position zu bringen.

Und da steht er nun seit über drei Jahrzehnten, der Taubenvatter, bekommt dann und wann Besuch von Fußgängern, die hier eine kleine Verschnaufpause einlegen.


Von Jens Lukas